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Namensgebender Berg, Kunstträger und Refugium

 

Neubürg. Foto: Dieter Jenß
Mit 587 Metern ist die Neubürg der höchste Plateauberg der nördlichen Fränkischen Schweiz. Foto: Dieter Jenß

 

Im Zentrum unserer Region liegt die Neubürg. Im Laufe der Erdgeschichte fräste die Erosion den Tafelberg aus dem umgebenden Gestein heraus.

 

NaturKunstRaum

Bereits im Mittelalter verlief der Weg „Via Imperialis“ über den Rücken der Neubürg, den vor allem Kaufleute und Pilger nutzen. Heute führt ein Rundweg um das Plateau an mehreren Kunstwerken entlang. In diesem NaturKunstRaum steht etwa eine Bronzestele, die aussieht, als hätte ein Riese sein Schwert mit Ammonitengriff in die Erde gerammt. Am Rundweg erklären Hinweistafeln die Entstehung des Plateau-Berges.

 


Die Bronzestele ist eines der vielen Kunstwerke, die auf der Neubürg stehen. Foto: Schwarz-Weig

 

Feuersalamander, Fossilien und Fischsaurier

Die Neubürg gibt den Blick frei auf die zum Verein zählenden Gemeinden und eine einzigartige Natur. Viele der als Geotope ausgewiesenen Gebiete beeindrucken durch ihre Stein- und Felsformationen wie etwa die Felsengruppen Planken- und Wachstein, der Felsen mit der „Hohen Höhle“ bei Nankendorf oder der Dolomitfels „Bachscheißer“ im Wiesenttal. Kleine Bäche haben am südwestlichen Rand des Limmersdorfer Forstes Schluchten in den Rhätolias genannten Sandstein geschürft. In den engen Rhätschluchten herrscht ein einzigartiges Klima, weshalb dort Schwarzerlen und Bergulmen wachsen, und mit ein wenig Glück findet der Wanderer einen Feuersalamander (eine Karte des Gebietes zwischen Mistelgau und Heinersreuth bietet die Naturschutzbehörde, pdf-Datei). Wie die gesamte Fränkische Schweiz birgt auch die Neubürg Fossilien wie Ammoniten und versteinerte Seeigel. Die Steine bei Unternschreez verwahren sogar versteinerte Pflanzen.

 

Am Grund der Tongrube bei Mistelgau, die im Jahr 2011 in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen wurde, liegt ein einzigartiger Friedhof für Tintenfische. Dort versteinerten vor etwa 180 Millionen Jahren abertausende dieser Tintenfischverwandten zum sog. Belemniten-Schlachtfeld. In anderen Schichten der Tongrube erstarrte ein Fischsaurier zu Stein sowie ein Flugsaurier, der nach dem Ort der Tongrube benannt wurde: Dorygnathus mistelgauensis. Seine Flügel überspannten etwa einen Meter wenn er über das Meer glitt, das zur Dinosauerierzeit unsere Region bedeckte. Der Fischsaurier und weitere Fossilien sind im Bayreuther Urweltmuseum ausgestellt.

 

Naturschutzgebiete und Neunaugen

Heute leben zahlreiche gefährdete Pflanzen und Tieren rund um die Neubürg. Das Lochau- und das Truppachtal, sowie die Fels- und Wacholderhänge bei Waischenfeld sind als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen. Sie bieten so seltenen Tieren wie dem Neunauge ein Refugium, einem urtümlichen Fisch, dessen Vorfahren schon vor etwa 500 Millionen Jahren auf unserer Erde lebten. Fledermäuse erheben sich rund um Obernsees des Nachts in die Lüfte. In einigen Gewässern leben Flusskrebse und Bachmuscheln, die nur dort überleben können, wo sie sauberes Wasser vorfinden. Seltene Orchideen und andere Pflanzen blühen auf den Wiesen und in den Wäldern wie der Frauenschuh oder das Salomonssiegel. Daher sind nördlich von Obernsees und westlich von Hollfeld Naturschutzgebiete eingerichtet, um diejenigen Arten zu schützen, die auf der Roten Liste stehen.


Text: Dr. Esther Schwarz-Weig